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Das wichtigste Gebot

Aktualisiert: Sept 8

Gott hat uns eine To-Do-Liste geschrieben. Das, was ihm wirklich wichtig ist, steht an oberster Stelle. Gleich zwei Gebote erhalten die oberste Prioritäts-Stufe:


a) liebe Gott und

b) liebe deinen Nächsten.


Es ist ein wenig riskant, zwei Gebote an den ersten Platz zu stellen. Was ist, wenn die beiden Gebote miteinander in Konflikt geraten – ist es dann mir selbst überlassen, zu entscheiden, welches Gebot ich erfülle und welches ich vernachlässige? Vielleicht kennst du das aus deinem eigenen Leben – nicht immer kann man sich Gott und den Menschen gleichzeitig widmen. Sagt nicht Jesus selbst, dass wir uns Zeiten beiseite nehmen sollen, in denen wir die Tür hinter uns abschliessen, um allein mit dem Vater zu sein (vgl. Mt 6,6)? Was ist, wenn genau in dieser Zeit jemand an deine Türe klopft und deiner Hilfe bedarf? Darfst du dann das Gebot der Menschenliebe vernachlässigen, um das Gebot der Gottesliebe zu erfüllen? Es gibt auch den umgekehrten Fall: Du stehst gerade hüfthoch in der Arbeit für andere Menschen, kümmerst dich liebevoll um Bedürftige, und hörst dann den Ruf Gottes: «Komm, lass die Arbeit hinter dir, setz dich zu mir und schenk mir deine Aufmerksamkeit». Wie verhältst du dich dann?



Fade Religiosität

Jesus selbst geht auf diese Fragen ein. Auf seinem Weg nach Jerusalem wird er von einem Gesetzeslehrer gefragt, wie denn Gottes oberste Punkte auf der To-Do-Liste aussehen:


«Da trat ein Gesetzeslehrer auf, um ihn zu versuchen, und fragte: »Meister, was muß ich tun, um ewiges Leben zu ererben?« Jesus erwiderte ihm: »Was steht im Gesetz geschrieben? Wie lauten da die Worte?« Er gab zur Antwort: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen Denken« und »deinen Nächsten wie dich selbst«. Jesus sagte zu ihm: »Du hast richtig geantwortet; tu das, so wirst du leben!«» (Lk 10,25-28)


Der Gesetzeslehrer gibt die korrekte Antwort. Er weiss, was Gott am wichtigsten ist. Mit dem zweiten Gebot hat er allerdings Mühe. Er antwortet:


«Jener wollte sich aber rechtfertigen und sagte zu Jesus: »Ja, wer ist denn mein Nächster?«» (Lk 10,29)


Daraufhin erzählt Jesus das Gleichnis vom barmherzigen Samariter:


«Da erwiderte Jesus: »Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel Räubern in die Hände; die plünderten ihn aus, schlugen ihn blutig, ließen ihn halbtot liegen und gingen davon. Zufällig kam ein Priester jene Straße hinabgezogen und sah ihn liegen, ging aber vorüber. Ebenso kam auch ein Levit an die Stelle und sah ihn, ging aber vorüber.» (Lk 10,30-32)


Im Priester und Leviten erkennt sich der Gesetzeslehrer wieder. Der Job eines Priesters besteht darin, stundenlang vor Gott im Tempel zu sein und ihm zu dienen. Die Priester und Leviten werden vom Volk finanziell freigesetzt und ausgesondert, um ihr Leben ganz Gott hinzugeben. Niemand kann Gott besser, reiner, hingegebener dienen als sie. Wenn jemand das erste Gebot der Liebe zu Gott erfüllen kann, dann die Priester und Leviten. Doch in dieser Geschichte versagen sie kläglich.


«Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam in seine Nähe, und als er ihn sah, fühlte er Mitleid mit ihm; er trat an ihn heran und verband ihm die Wunden, wobei er Öl und Wein darauf goß; dann setzte er ihn auf sein Maultier, brachte ihn in eine Herberge und verpflegte ihn. Am folgenden Morgen holte er zwei Denare heraus, gab sie dem Wirt und sagte: ›Verpflege ihn, und was es dich etwa mehr kostet, will ich dir bei meiner Rückkehr ersetzen.‹» (Lk 10,33-35)


Die Samariter sind ein Mischvolk: halb israelitisch, halb heidnisch. Von den Juden werden sie nicht anerkannt. Die Samariter lehnen den grössten Teil des Alten Testaments ab – nur die fünf Bücher Mose akzeptieren sie. Ihre heilige Stätte ist nicht Jerusalem, sondern der Berg Garizim. Jesus selbst attestiert ihnen, dass sie «anbeten, was sie nicht kennen» (Joh 4,22). Von wahrer Gottesliebe kann bei einem Samariter keine Rede sein. Und doch ist es ein Vertreter dieses Volkes, der im Gleichnis richtig handelt und das Gebot der Nächstenliebe erfüllt. Jesus lobt ihn und empfiehlt dem Gesetzeslehrer, ebenso zu handeln (vgl. V. 36–37).


Fazit: Religiosität ohne Nächstenliebe hat einen faden Beigeschmack. Kein vollzeitlicher Mitarbeiter, kein gesalbter Prediger, kein hingegebener Gebetshausmissionar kommt am Gleichnis vom barmherzigen Samariter vorbei. Es muss uns als Warnung dienen, dass wir vor lauter Dienst an Gott nicht die Liebe zu den Menschen vergessen.

Religiosität ohne Nächstenliebe hat einen faden Beigeschmack.

Rastlose Nächstenliebe

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Aber sie geht – und das ist für das Lukasevangelium typisch – weiter und nimmt eine interessante Wendung:


«Als sie dann weiterwanderten, kam er in ein Dorf, und eine Frau namens Martha nahm ihn in ihr Haus auf. Diese hatte eine Schwester namens Maria, die sich zu den Füßen des Herrn niederließ und seinen Worten zuhörte; Martha dagegen ließ sich durch vielerlei Dienstleistungen für die Bewirtung in Anspruch nehmen. Nun trat sie zu ihm und sagte: »Herr, machst du dir nichts daraus, dass meine Schwester die Bedienung mir allein überlassen hat? Sage ihr doch, sie möge mir zur Hand gehen!«» (Lk 10,38–40)


«Natürlich!» müssen wir mit Martha ausrufen. Diese fade, tatenlose Religiosität Marias ist ja kaum auszuhalten. Sie sitzt faul im Wohnzimmer, während sich in der Küche das Geschirr türmt. Damit ist Maria doch keinen Deut besser als der Priester und der Levit im Gleichnis! In der Überzeugung, im Recht zu sein, platzt Martha in das Wohnzimmer und unterbricht die Predigt von Jesus. Wird Jesus Maria zurechtweisen und in die Küche schicken?


«Aber der Herr gab ihr zur Antwort: »Martha, Martha! Du machst dir Sorge und Unruhe um vielerlei; aber nur eins ist nötig. Denn Maria hat das gute Teil erwählt: das soll ihr nicht genommen werden.«» (Lk 10,41-42)


Jesus bremst die rastlose Nächstenliebe Marthas aus. Er lädt sie ein, zur Ruhe zu kommen und sich hinzusetzen. Wir wissen nicht, wie die Geschichte ausgeht. Wird Martha sich hinsetzen und Jesus zuhören? Auf jeden Fall ist Maria bei den Füssen von Jesus sitzengeblieben und hört ihm weiter zu.


Fazit: Du willst nicht in der Küche sein, wenn Jesus in deinem Wohnzimmer sitzt. Kein Sozialdiakon, kein hingegebener Diener, kein mächtiger Macher vor dem Herrn kommt an der Geschichte von Maria und Martha vorbei. Sie muss uns als Warnung dienen, dass wir vor lauter Dienst an den Menschen nicht die Liebe zu Gott vergessen.

Du willst nicht in der Küche sein, wenn Jesus in deinem Wohnzimmer sitzt.

Göttliche Neuausrichtung

Hast du dich in einer der Geschichten wiedererkannt? Wo hast du die Balance verlassen und belastest nur noch einseitig? Wo bist du aus der Symmetrie geraten? Wie sieht deine Schonhaltung aus? Stell dir vor, dass der Heilige Geist wie ein göttlicher Physiotherapeut vor dir steht und dich neu ausrichtet. Die Schonhaltung der Priester und Leviten, die sich ihre Finger nicht verschmutzen und sich an einem Halbtoten nicht verunreinigen wollen, wird in dir korrigiert. Aber auch die Martha in dir, die in rastloser Nächstenliebe alles für Gott tut, ohne mit ihm Gemeinschaft zu haben, darf aus ihrer falschen Haltung herauskommen und heil werden.


Wirklich stark, lebendig und kraftvoll wird es, wenn wir beide Gebote erfüllen. Und wenn wir uns nicht hinter einem Gebot verstecken, um das andere nicht erfüllen zu müssen.


Was machst du also, wenn jemand in deiner Gebetszeit an die Türe klopft und etwas von dir will? Dann versteck dich nicht. Nicht vor Gott, indem du die erstbeste Ausrede suchst, um seine Gegenwart zu verlassen. Nicht vor den Menschen, indem du dich im stillen Kämmerchen einschliesst, um ihre Not zu verdrängen. Ob du die Türe dann öffnen wirst oder nicht, kann ich nicht beantworten.

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