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Der Liebesbeweis

Im Lauf der Kirchengeschichte wurde immer wieder versucht, Gott zu beweisen. Mit spitzfindigen Argumenten wurde darüber debattiert, ob es Gott geben muss. Auf jeden sogenannten Gottesbeweis folgten Gegenargumente. Schon unzählige Male wurde die Existenz Gottes auf diese Weise bewiesen und widerlegt – manchmal sogar von ein und demselben Philosophen.


Der Beweis, den Gott gibt, ist ganz anders. Er ist kein rationales Argument und kein philosophisches Gerüst. Er ist eine Tat. Sein Sohn lässt sich auf einem kargen Hügel ausserhalb Jerusalems an ein Kreuz nageln und stirbt. Für die rational denkenden Griechen war der gekreuzigte Christus eine Dummheit, für die Juden ein Ärgernis (vgl. 1 Kor 1,23). Das Kreuz ist nicht ein unbezwingbares Argument, das jeder Mensch intellektuell anerkennen muss. Es ist überhaupt kein Gottesbeweis. Es liegt gerade im Wesen der Liebe, dass sie sich nicht aufdrängt und zum Glauben zwingt. Aber das Kreuz ist ein Liebesbeweis Gottes für jeden, der glaubt.



«Gott beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.» – Röm 5,8


Hier weiss ich, dass ich weiss, dass Gott mich liebt. Mit seinem Sohn gibt Gott sein Höchstes für uns hin. Weiter «kann» er nicht gehen. Es gibt kein grösseres Opfer, kein kostbareres Geschenk. Gott hat uns nichts vorenthalten. Er hat keinen Plan B, den er anwenden kann, falls diese Strategie nicht aufgeht. Er hat alles gegeben.

Gott hat keinen Plan B, den er anwenden kann, falls diese Strategie nicht aufgeht.

Wer das glaubt, steht vor dem Kreuz und erfährt Gottes Liebe. Er wird von der Beweislast überwältigt. Ein Gott, der sein Höchstes für mich hingibt – dem kann ich vertrauen. Dass Gott mich liebt, erspüre ich nicht primär in meiner Magengegend, sondern ich erfahre es auf dem Hügel ausserhalb Jerusalems. Hier sehe ich, wie Gottes Sohn aus Liebe zu mir stirbt. Hier werde ich Zeuge davon, wie Gott den Anker seiner Liebe für immer in die Weltgeschichte rammt. Wer auf diesem Hügel steht und Zeuge davon wird, was hier geschieht, wird nie mehr derselbe sein.


Niemand versteht in der Tiefe, was hier passiert

Vor dem Kreuz stehen nur Sünder: Die Römer, die Pharisäer, die Priester, die Jünger und – wir. Wir kommen nicht als selbstgerechte, gute Menschen vors Kreuz Der Liebesbeweis Gottes gilt uns schon, «als wir noch Sünder waren.» Der Weg zum Kreuz ist mit keinen Vorbedingungen gepflastert. Keine Anstrengung, kein Bemühen um Heiligkeit ebnet uns den Weg zum Kreuz oder verschafft uns Gottes Liebe.


«Denn Christus ist ja, als wir nach Lage der Dinge noch schwach waren, für Gottlose gestorben.» – Röm 5,6


Das ist keine Winnetou-Liebe. Im berühmten Western wirft sich der Apache-Indianer Winnetou heroisch vor seinen Freund Old Shatterhand, während ein Feind auf diesen schiesst. Winnetou fängt die Kugel ab, die für Old Shatterhand bestimmt war. Kurz darauf stirbt er in den Armen seines Freundes.



«Denn kaum wird jemand für einen Gerechten den Tod erleiden – doch für den Guten entschliesst sich vielleicht noch jemand dazu, sogar sein Leben hinzugeben.» – Röm 5,7

Jesus stirbt nicht den Tod eines Helden, sondern den Tod eines Verbrechers.

Natürlich ist das eine heldenhafte, selbstlose Tat von Winnetou. Und wir kennen diese Art von Aufopferung wohl auch in unseren Beziehungen, auch wenn es nicht gerade um Leben oder Tod geht. Aber die Liebe, die Jesus am Kreuz zeigt, geht noch viel tiefer. Er stirbt für Sünder und Gottlose. Niemand applaudiert. Niemand versteht in der Tiefe, was hier passiert. Einige lachen, einige weinen. Aber niemand hat dieses Opfer verdient. Jesus stirbt nicht den Tod eines Helden, sondern den Tod eines Verbrechers.

Es liegt in der Dynamik der göttlichen Liebe, dass sie sich in der Finsternis zeigt. Dass sie am hellsten leuchtet, wenn sie von Dunkelheit, Hass und Unverständnis umgeben ist.


«Und das Licht leuchtet in der Finsternis, doch die Finsternis hat es nicht ergriffen.» (Joh 1,5)


Es ist diese Situation der finsteren Welt, in die das Licht Gottes hereingebrochen ist. Ein kleines Licht, ein einzelner Mensch. Aber die Finsternis konnte das Licht nicht überwinden. Die Liebe Gottes ist stärker als aller Hass dieser Welt. Auch wenn es in der Kreuz-Szene vordergründig so aussieht, als würde der Hass siegen: Das Gegenteil ist der Fall. Mit seinem Tod und mit seiner Auferstehung bahnt Jesus Christus einen Weg. Er öffnet eine Türe, durch die wir in die Welt der Liebe des Vaters eintreten können. Der Moment, den die Finsternis als ihren grössten Sieg zu verzeichnen glaubte, wird zum Triumph der göttlichen Liebe.

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