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Ist für Gott kein Ding unmöglich?

Aktualisiert: 3. Dez 2019

Heute muss ich Bibelübersetzungs-Bashing betreiben. Das mache ich nicht gerne. Grundsätzlich vertraue ich unseren Bibelübersetzungen und kann sie eigentlich alle wärmstens weiterempfehlen. Wenn du also nicht verunsichert werden willst: Nein, für Gott ist kein Ding unmöglich. Einen schönen Tag noch!



Falls du doch weiterliest: schlag mal deine Bibel bei Lk 1,37 auf. Wenn du eine deutschsprachige Bibel benutzt (und nicht Elberfelder oder Hoffnung für alle), liest du vermutlich folgendes:


«Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.» – Lk 1,37 (LUT)

«Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.» – Lk 1,37 (SCHL)

«Denn für Gott ist nichts unmöglich.» – Lk 1,37 (NGÜ)

«Für Gott ist nichts unmöglich.» – Lk 1,37 (GNB)

«Denn für Gott ist nichts unmöglich.» – Lk 1,37 (EÜ)

«Denn bei Gott ist nichts unmöglich.» – Lk 1,37 (NL)

«Für Gott ist nichts unmöglich.» – Lk 1,37 (NeÜ)

«Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.» – Lk 1,37 (Menge)

Kann Gott einen so schweren Stein erschaffen, dass er ihn selbst nicht hochheben kann?

Der Haken: Im griechischen Grundtext steht nicht «Ding» sondern «Wort». Was ist geschehen? Maria ist soeben dem Engel Gabriel begegnet. Gott verheisst ihr einen Sohn, der auf dem Thron des legendären Königs David sitzen wird. Uralte Prophetien werden in Erfüllung gehen:


«Denn ein Kind wird uns geboren, ein Sohn uns geschenkt werden, auf dessen Schulter die Herrschaft ruhen wird […]» – Jes 9,5


(Gott zu David:) «Wenn einst deine Tage voll sind und du dich zu deinen Vätern gelegt hast, dann will ich nach deinem Tode deinen leiblichen Sohn zu deinem Nachfolger erheben und ihm sein Königtum bestätigen. Der soll dann meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron feststellen für immer.» – 2 Sam 7,12–13


Maria kann es kaum glauben. Es sind grosse Verheissungen für eine Frau, die noch gar nicht mit einem Mann zusammen ist! Sie fragt nach und der Engel erklärt es ihr eingehender (wir berichteten). Bei dieser Gelegenheit erzählt er ihr auch von Elisabeth, deren Mann Zacharias ebenfalls eine Verheissung erhalten hatte, und die nun schwanger ist. Aus menschlicher Sicht ist es völlig unmöglich, dass Elisabeth in ihrem hohen Alter schwanger wird. Aber:


«Kein Wort, das von Gott kommt, wird kraftlos sein.» – Lk 1,37 (ELB) (Oder etwas freier:)

«Gott hat es ihr zugesagt, und was Gott sagt, das geschieht!» – Lk 1,37 (HfA)


Wort vs. Ding Das ist die korrekte Übersetzung. Es geht nicht um ein «Ding», das bei Gott unmöglich ist, sondern um ein «Wort», das Gott zugesagt hat und das nicht kraftlos werden wird. Ein Detail? Mag sein, aber ein sehr bezeichnendes. Ein Detail, das die Schieflage unseres «Ding»-Glaubens widerspiegelt: Das westliche, von der griechischen Philosophie geprägte Christentum stellt das «Ding» in den Mittelpunkt. Es liebt Ideen, Begriffe und in sich abgeschlossene Systeme. Das wichtigste «Ding» in diesem System ist Gott. Er ist «das, worüber hinaus nichts Grösseres gedacht werden kann.» (Anselm v. Canterbury). Im griechischen Denken ist Gott der höchste Begriff, die gewaltigste Idee.


Ist dieser «Gott der Dinge» allmächtig? Ist ihm nichts unmöglich? Kann er einen so schweren Stein erschaffen, dass er ihn selbst nicht hochheben kann? Das ist die grüblerische Fragen derjenigen, die einen «Ding»-Glauben haben.

Der Ding-Glauben ist nicht an Geschichten, an «zufälligen Geschichtswahrheiten» interessiert.

Griechisches Denken strebt nach «notwendigen Vernunftwahrheiten» (Lessing). Es ist im Grunde völlig uninteressiert an einer schwangeren Jungfrau, die auf dem Esel-Parkplatz vor dem überfüllten Hotel in Bethlehem ein Kind gebärt. Der Ding-Glauben ist nicht an Geschichten, an «zufälligen Geschichtswahrheiten» interessiert. Aber so handelt Gott. Er handelt in der Geschichte. Er erschafft keine spekulativen Steine, die er selbst nicht hochheben kann, sondern er spricht Verheissungen aus, die er gegen jede Wahrscheinlichkeit wahr macht. Die Geschichte, die Gott schreibt, ist irdisch und menschlich und real.


Lies die Bibel auf der Suche nach dem grossen, alles umfassenden System und du wirst enttäuscht werden. Das merkst du schon auf der erste Seite. Woher stammt Gott? Was tat er vor der Erschaffung der Welt? Woher kommt die Schlange und warum lässt Gott sie in den Garten? Über diese Dinge sagt die Bibel enttäuschend wenig.


Lies die Bibel auf der Suche nach Geschichte, nach Verheissung und Erfüllung und du entdeckst eine neue Welt. Gott ist kein Gott des «Dings», sondern des Wortes. Er schreibt keine Dogmatik, sondern Heilsgeschichte.


Das analphabetische Mädchen aus Nazareth Um die Welt zu retten, erwählt Gott nicht den brillantesten Schriftgelehrten, der Gott und seine Allmacht mit intellektuellen Argumenten beweisen kann. Er erwählt ein minderjähriges, vermutlich analphabetisches jüdisches Mädchen aus Nazareth. Sie wird den Retter der Welt auf die Welt bringen. Nachdem der Engel ihr die Verheissung gegeben hat, sagt sie: «Ich bin die Magd des Herrn – es geschehe mir nach deinem Wort!» Solche Menschen sucht Gott.


Natürlich ist für Gott kein Ding unmöglich. Aber was, wenn das die falsche Frage war?

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